Die Prophetenschulen

 

Der Herr selbst nahm Israel in die Schule. Seine Fürsorge beschränkte sich nicht auf religiöse Belange, sondern betraf alles, was ihr geistiges und körperliches Wohlbefinden anging und in den Bereich des göttlichen Gesetzes gehörte. {PP 575.1}

 

Gott hatte den Hebräern geboten, die Kinder über seine Forderungen zu belehren und ihnen davon zu erzählen, was er an ihren Vätern getan hatte. Das gehörte zu den besonderen Aufgaben der Eltern, die sie keinem andern übertragen durften. Nicht aus fremdem Munde sollten es die Kinder erfahren, sondern in liebevoller Weise von ihnen. Alle Vorkommnisse des täglichen Lebens wurden mit den Gedanken an Gott verknüpft. Im Familienkreis sprach man oft von seinen machtvollen Taten bei ihrer Befreiung und von der Verheißung des kommenden Erlösers. Durch Beispiele und Sinnbilder hafteten die Erfahrungen noch besser im Gedächtnis, und die großen Wahrheiten der göttlichen Vorsehung über das zukünftige Leben prägten sich den jugendlichen Gemütern tief ein. Sie lernten daraus, Gott ebenso im Naturgeschehen wie im Wort der Offenbarung zu sehen. Die Sternenpracht am Himmel, Bäume und Blumen auf dem Felde, die hoch aufragenden Berge und die plätschernden Bäche — sie alle redeten von ihrem Schöpfer. Der feierliche Opferdienst, die Anbetung am Heiligtum und die Worte der Propheten waren Gottesoffenbarungen. {PP 575.2}

 

So wurde Mose in der bescheidenen Hütte seiner Eltern in Gosen erzogen, Samuel durch die gläubige Hanna, David in der Bergwelt seiner Heimat zu Bethlehem, Daniel, ehe ihn die Gefangenschaft vom Hause seiner Väter trennte. So verlief auch die Jugendzeit Jesu in Nazareth, und so erfuhr das Kind Timotheus die Wahrheiten der Heiligen Schrift aus dem Munde der Großmutter Lois und seiner Mutter Eunike. 2.Timotheus 1,5; 3,15. {PP 575.3}

 

Ferner war für den Unterricht der Jugend durch Prophetenschulen gesorgt. Diese Ausbildungsstätten standen jedem jungen Mann offen, der tiefer in die Wahrheiten des Wortes Gottes eindringen wollte und Weisheit von oben erstrebte, um vielleicht ein Lehrer in Israel zu werden. Samuel war es, der diese Schulen als Schutzwehr gegen die weit-verbreitete Verderbnis gründete. Er sorgte für das sittliche und geistliche Wohlergehen der Jugend und damit für das künftige Glück des ganzen Volkes, wenn er fähige, gottesfürchtige Männer als Führer und Ratgeber heranbildete. Dazu wählte Samuel Gruppen von jungen Männern aus, die fromm, begabt und fleißig waren. Man nannte sie Prophetenjünger. Durch die enge Verbindung mit Gott und beim Studium seines Wortes und seiner Werke empfingen sie zu ihrer natürlichen Begabung Weisheit von oben. Die Lehrer waren nicht nur mit der göttlichen Wahrheit wohl vertraut, sie standen selbst in Gemeinschaft mit Gott und hatten die besondere Gabe seines Geistes empfangen. Sie genossen wegen ihrer Gelehrsamkeit und Frömmigkeit Achtung und Vertrauen im ganzen Volk. {PP 576.1}

 

Zur Zeit Samuels gab es zwei dieser Schulen, eine in Rama, der Heimat des Propheten, die andere in Kirjath-Jearim, wo damals die Bundeslade stand. Später kamen noch andere hinzu. {PP 576.2}

 

Die Schüler bestritten ihren Lebensunterhalt selbst durch Landarbeit oder ein Handwerk. Das war für die Israeliten weder befremdlich noch erniedrigend; man sah es geradezu als Frevel an, Kinder ohne Kenntnis nützlicher Arbeit aufwachsen zu lassen. Auf göttlichen Befehl erlernte jedes Kind irgendeinen Beruf, selbst wenn es für den Dienst am Heiligtum bestimmt war. Auch viele gottesfürchtige Lehrer lebten von ihrer Hände Arbeit. Und noch zur Zeit der Apostel waren Paulus und Aquila nicht weniger geachtet, weil sie ihren Lebensunterhalt durch die Zelttuchweberei verdienten. {PP 576.3}

 

Die wichtigsten Lehrfächer an diesen Schulen waren das Gesetz Gottes, die Mose gegebenen Unterweisungen, heilige Geschichte, geistliche Dichtung und Musik. Die Unterrichtsart unterschied sich aber wesentlich von der an heutigen theologischen Schulen, an denen viele Schüler wohl Prüfungen ablegen, sie aber mit geringerer Erkenntnis über Gott und religiöse Wahrheit verlassen, als sie vorher besaßen. An jenen Schulen in alter Zeit war das wichtigste Ziel allen Studierens, Gottes Willen und die Pflichten der Menschen ihm gegenüber kennenzulernen. In den Berichten der heiligen Geschichte ließen sich die Spuren Jahwes verfolgen. Man erklärte ihnen die großen, in Sinnbildern dargestellten Wahrheiten, und im Glauben erfaßten sie die Zentralgestalt von allem, das Lamm Gottes, welches die Sünde der Welt wegnehmen sollte.  {PP 576.4}

 

Man pflegte der Andacht und lehrte die Schüler nicht nur das pflichtschuldige Gebet, sondern wie sie sich betend ihrem Schöpfer nahen durften, wie sie an ihn glauben, sein Wesen verstehen und ihm gehorchen konnten. Gebildete, fromme Männer zeigten ihnen Altes und Neues aus Gottes Schatzkammer, und sein Geist offenbarte sich in Weissagung und geistlichem Lied. {PP 577.1}

 

Die Musik sollte die Gedanken auf alles richten, was rein, edel und erhebend ist, und im Herzen Andacht und Dankbarkeit gegen Gott wachrufen. Welchen Gegensatz bildet die heutige Musik dazu! Wie viele benutzen diese Gabe zum Selbstruhm, statt Gott damit zu verherrlichen! Die Vorliebe für eine gewisse Musik verleitet manchen Unbesonnenen dazu, Vergnügungen von Weltmenschen mitzumachen, die Gott seinen Kindern untersagt hat. So wird das, was bei rechtem Gebrauch segensreich sein könnte, eines der erfolgreichsten Mittel Satans, die Gedanken von der Pflicht und von der Besinnung auf ewige Dinge abzulenken. {PP 577.2}

 

Auch in den himmlischen Vorhöfen gehört Musik zum Gottesdienst. Darum sollten wir uns bemühen, in unsern Dankliedern dem Wohlklang der himmlischen Chöre so nahe wie möglich zu kommen. Sehr wichtig ist gründliche Stimmausbildung; sie sollte nicht vernachlässigt werden. Das Singen gehört zum Gottesdienst und ist ebenso Ausdruck der Anbetung wie das Gebet selbst. Ein mit dem Herzen empfundenes Lied wird auch ausdrucksvoll sein. {PP 577.3}

 

Wie groß ist der Unterschied zwischen jenen Schulen, in denen Gottes Propheten unterrichteten, und unseren heutigen Lehranstalten! Es gibt kaum noch Bildungsstätten, die nicht nach weltlichen Grundsätzen und Gewohnheiten geleitet werden. Es besteht dort ein beklagenswerter Mangel an wohlüberlegter Einschränkung und weiser Zucht. Die Unwissenheit über Gottes Wort — und das in einem christlichen Lande — ist geradezu besorgniserregend. Anstelle des Unterrichts in Sittlichkeit und Religion bietet man oberflächliche Gespräche und Gefühlsüberschwang. Die jungen Menschen erfahren nichts über die Gerechtigkeit und Barmherzigkeit Gottes, über den Wert der Gottesfurcht und den sicheren Lohn der Rechtschaffenheit, über das verabscheuungswürdige Wesen der Sünde und die Gewißheit ihrer schrecklichen Folgen. Dafür lernen sie von verdorbenen Kameraden Verbrechen und Zügellosigkeit.  {PP 577.4}

 

Gäbe es für unsere heutigen Erzieher nicht mancherlei von den alten Schulen der Hebräer zu lernen? Er, der den Menschen schuf, hat auch für seine körperliche, geistige und seelische Entwicklung gesorgt. Deshalb hängt echter Erfolg in der Erziehung ab von der gewissenhaften Verwirklichung der göttlichen Absichten. {PP 578.1}
 

Das wahre Ziel der Erziehung besteht darin, Gottes Ebenbild in der menschlichen Seele wiederherzustellen. Am Anfang schuf Gott den Menschen zu seinem Bilde. Er rüstete ihn mit edlen Eigenschaften aus. Sein ausgeglichener Geist und alle Kräfte seines Wesens standen im harmonischen Verhältnis zueinander. Aber der Sündenfall und seine Folgen verdarben diese Gaben. Die Sünde hat das Bild Gottes im Menschen entstellt und nahezu verwischt. Um es wiederherzustellen, wurde der Erlösungsplan gefaßt und dem Menschen Gnadenzeit gewährt. Ihn zu der Vollkommenheit zurückzubringen, in der er geschaffen war, ist das große Lebensziel, dem alles andere untergeordnet ist. Es bleibt die Aufgabe von Eltern und Lehrern, bei der Erziehung der Jugend nach Gottes Absicht zusammenzuarbeiten; tun sie das, sind sie „Gottes Mitarbeiter“. 1.Korinther 3,9. {PP 578.2}

 

All die mannigfaltigen Fähigkeiten des Leibes, der Seele und des Geistes hat der Mensch von Gott empfangen, um damit den höchstmöglichen Stand an Vollkommenheit zu erreichen. Das kann aber keine eigennützige, einseitige Bildung sein; denn Gottes Wesen, dem wir ähnlich werden sollen, ist Güte und Liebe. Gebrauchen wir die Eigenschaften und Fähigkeiten, mit denen uns der Schöpfer beschenkt hat, zu seiner Ehre und zur Förderung unserer Mitmenschen! Wir finden dann reinste, edelste und beglückendste Erfüllung. {PP 578.3}

Wenn man dem allem die gebührende Beachtung schenkte, gäbe es in manchen gegenwärtigen Erziehungsmethoden einen gründlichen Wandel. Anstatt Stolz und Ehrgeiz anzustacheln, ungesunden Wetteifer zu entfachen, würden sich die Lehrer bemühen, die Liebe zum Guten, Wahren und Schönen und den Wunsch nach vollkommener Reife zu wecken. Der Schüler andererseits strebte danach, Gottes Gaben in sich zu entfalten, nicht um andere zu übertreffen, sondern um die Absicht des Schöpfers zu erfüllen und seinem Bilde ähnlicher zu werden. Anstatt mit rein irdischen Maßstäben zu messen oder von Überheblichkeit erfüllt zu sein, die alle Entwicklung hemmt, richteten sich die Gedanken auf den Schöpfer, um ihn zu erkennen und ihm ähnlich zu werden.  {PP 578.4}

 

„Der Weisheit Anfang ist die Furcht des Herrn, und den Heiligen erkennen, das ist Verstand.“ Sprüche 9,10. Die hohe Aufgabe des Lebens heißt Charakterbildung, und Gotteserkenntnis ist die Grundlage aller wahren Erziehung. Dieses Wissen zu vermitteln und den Charakter in Übereinstimmung damit zu bilden, sollte das Ziel jedes Lehrers sein. Gottes Gesetz spiegelt sein Wesen wider. Deshalb sagt der Psalmist: „Alle deine Gebote sind gerecht“, und „dein Wort macht mich klug“. Psalm 119,172.104. Gott hat sich uns in seinem Wort und in den Werken der Schöpfung offenbart. Durch die Heilige Schrift und durch das Buch der Natur sollen wir ihn erkennen. {PP 579.1}

 

Mit einer Art Gesetzmäßigkeit paßt sich der Geist allmählich dem an, womit man sich viel abgibt. Sind das nur Alltäglichkeiten, erschlafft und verkümmert er. Wird er niemals genötigt, mit schwierigen Problemen zu ringen, wird er mit der Zeit die Fähigkeit zum Wachstum verlieren. Der erzieherische Einfluß der Bibel ist ohnegleichen. Man findet darin die tiefsten Gedanken und die erhabensten Ziele. Sie ist die lehrreichste Geschichte, die der Mensch besitzt. Sie kommt aus dem lauteren Quell ewiger Wahrheit, und eine göttliche Hand bewahrte durch all die Jahrhunderte ihre Reinheit. Sie erhellt die weit zurückliegende Vergangenheit, in die menschliche Forschung vergeblich einzudringen versucht. Im Wort Gottes verspüren wir die Kraft, die den Grund der Erde gelegt und die Himmel ausgebreitet hat. Nur hier finden wir eine Geschichte unseres Menschengeschlechts, die weder von menschlichem Vorurteil noch von Überheblichkeit belastet ist. Darin wird von den Kämpfen, den Niederlagen und Siegen der größten Männer berichtet, die diese Welt jemals kannte. Hier werden die großen Probleme von Pflicht und Bestimmung entfaltet. Der Schleier, der die sichtbare Welt von der unsichtbaren trennt, wird gelüftet, und wir schauen den Kampf zwischen Gut und Böse vom Anbeginn der Sünde bis zum endgültigen Sieg der Gerechtigkeit und Wahrheit; und in allem offenbart sich nur der göttliche Charakter. Bei der ehrfürchtigen Betrachtung der Wahrheiten seines Wortes kommt der Lernende dem Geist des Unendlichen näher. Solch ein Studium wird nicht nur den Charakter bilden und veredeln, sondern auch die geistigen Kräfte entfalten und beleben.  {PP 579.2}


 

Die biblischen Unterweisungen haben in jeder Beziehung ganz wesentlichen Einfluß auf das Wohlergehen des Menschen. Sie zeigen uns die Grundgedanken, die das Fundament zum Glück eines Volkes sind und auf denen die Wohlfahrt der menschlichen Gesellschaft beruht. Diese Grundsätze sind der Schutz der Familie; ohne sie kann kein Mensch weder Nützliches leisten noch innerlich glücklich sein und rechtschaffen leben oder das zukünftige, ewige Leben zu erreichen hoffen. Es gibt erfahrungsgemäß nichts im Leben, wofür die Lehren der Bibel keine wesentliche Vorbereitung wären. Wenn man sie durchforschte und befolgte, gäbe es in der Welt mehr Menschen mit überzeugender, wirksamer Urteilskraft als durch genaue Anwendung der menschlichen Philosophie. Das Wort Gottes vermag Menschen zu starken, zuverlässigen Charakteren von scharfer Auffassungsgabe und gesundem Urteilsvermögen zu bilden, zu Menschen, die eine Ehre für Gott und ein Segen für die Welt sind. {PP 580.1}

 

Auch durch das Studium der Naturwissenschaft sollen wir Erkenntnis des Schöpfers erlangen. Denn alle wahre Naturwissenschaft ist nur eine Auslegung der Handschrift Gottes in der sichtbaren Welt. Sie erbringt neue Zeugnisse für seine Weisheit und Macht. Richtig verstanden, machen uns beide, das Buch der Natur und das geschriebene Wort, mit Gott vertraut, indem sie uns die weisen, wohltätigen Gesetze verständlicher machen, durch die er wirkt. {PP 580.2}

 

Leitet die Schüler dazu an, in der Schöpfung Gott zu sehen. Die Lehrer sollten sich den großen Lehrer zum Vorbild nehmen, der aus bekanntem Naturgeschehen Bilder entlehnte, die seine Lehren veranschaulichten und den Hörern tiefer einprägten. Die jubilierenden Vögel in den belaubten Zweigen, die Blumen im Tal, die hohen Bäume, das fruchtbare Land, das sprießende Korn, der unfruchtbare Boden, die untergehende Sonne, die den Himmel mit ihren Strahlen vergoldete — alles diente ihm zur Belehrung. Er brachte die sichtbaren Werke des Schöpfers in Verbindung mit den Lebensworten, die er sprach. Kämen seinen Hörern diese Dinge wieder zu Gesicht, würden ihre Gedanken erneut auf die Wahrheitslehren gelenkt, die er mit ihnen verknüpft hatte.  {PP 580.3}

 

Das Siegel der Gottheit, offenbart im Wort, nehmen wir an den hoch aufragenden Bergen, den fruchtbaren Tälern, dem weiten, tiefen Meer wahr. Die Naturerscheinungen reden zum Menschen von des Schöpfers Liebe. Durch ungezählte Zeichen am Himmel und auf der Erde hat er sich mit uns verbunden. Diese Welt ist keineswegs nur Sorge und Elend, sondern „Gott ist Liebe“ steht auf jeder sich öffnenden Knospe, auf jedem Blütenblatt und jedem Grashalm. Obwohl die Erde durch den Fluch der Sünde Dornen und Disteln hervorbrachte, haben die Disteln doch Blüten, und die Dornen werden von den Rosen verborgen. Alle Dinge in der Natur zeugen von der gütigen, väterlichen Fürsorge unseres Gottes und von dem Wunsch, seine Kinder glücklich zu machen. Mit seinen Verboten und Geboten will er nicht seine Macht beweisen, sondern hat er in allem, was er tut, das Wohl seiner Kinder im Auge. Nie verlangt er von ihnen, etwas aufzugeben, das zu ihrem Besten dienen könnte. {PP 581.1}

 

Die Ansicht mancher Gesellschaftsklassen, Religion sei dem Lebensglück nicht förderlich, ist einer der unheilvollsten Irrtümer. Die Schrift sagt: „Die Furcht des Herrn führt zum Leben; man wird satt werden und sicher schlafen.“ „Wer möchte gern gut leben und schöne Tage sehen? Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, daß sie nicht Trug reden. Laß ab vom Bösen und tu Gutes; suche Frieden und jage ihm nach!“ Die Worte der Weisheit „sind das Leben denen, die sie finden, und heilsam ihrem ganzen Leibe“. Sprüche 19,23; Psalm 34,13-15; Sprüche 4,22. {PP 581.2}


 

Echter Glaube bringt den Menschen in jeder Beziehung in Übereinstimmung mit Gottes Gesetz. Er führt zu Selbstbeherrschung, ruhiger Gelassenheit, Maßhalten. Frömmigkeit adelt die Gesinnung, verfeinert das Taktgefühl und heiligt die Urteilsfähigkeit. Die Seele verspürt etwas von der Reinheit des Himmels. Glaube an die Liebe Gottes und an seine lenkende Fürsorge nimmt die Last der Angst und Sorge. Er macht das Herz froh und zufrieden beim großartigsten oder bescheidensten Los. Gottesfurcht dient letztlich der Gesundheit; sie verlängert das Leben und steigert die Freude an allen Segnungen. Sie erschließt der Seele eine nie versiegende Quelle des Glücks. Daß doch alle, die sich bisher noch nicht für Christus entschieden haben, einsähen, daß er ihnen weit Besseres zu bieten hat, als sie selbst unbewußt suchen! Wer widergöttlich denkt und handelt, schadet sich selbst am meisten und begeht großes Unrecht. Auf verbotenen Wegen kann es keine wirkliche Freude geben, weil Gott das Beste für uns kennt und auf das Wohl seiner Geschöpfe bedacht ist. Übertretung führt ins Elend, aber der Weisheit „Wege sind liebliche Wege, und alle ihre Steige sind Frieden“. Sprüche 3,17.  {PP 581.3}

 

Es lohnt sich, über die körperliche und geistliche Ausbildung in den Schulen der Hebräer nachzudenken. Der Wert solcher Erziehung wird heute nicht erkannt. Zwischen Körper und Geist besteht eine enge Beziehung; und um einen hohen sittlichen und geistigen Stand zu erreichen, ist es unumgänglich, die Gesetze zu beachten, die unser körperliches Sein beherrschen. Will sich jemand zu einer starken, ausgeglichenen Persönlichkeit entfalten, muß er seine Geistes- wie Körperkräfte üben und entwickeln. Welches Studium könnte für junge Leute wichtiger sein als das dieses wunderbaren, uns von Gott anvertrauten Organismus und seiner Gesunderhaltung? {PP 582.1}

 

Wie zur Zeit Israels müßten heute alle jungen Leute praktisch ausgebildet werden. Jeder sollte irgendein Handwerk erlernen, mit dem er in Notzeiten seinen Lebensunterhalt verdienen kann. Das ist nicht nur für ihn wichtig als Sicherung gegen die Wechselfälle des Lebens, sondern auch wegen seiner allseitigen Entwicklung. Selbst wenn jemand genau wüßte, daß er seinen Unterhalt nie mit der Hände Arbeit zu verdienen brauchte, sollte er dennoch unterwiesen werden, handwerklich zu arbeiten. Ohne körperliche Bewegung wird niemand kräftig und gesund sein; und regelmäßige Arbeit trägt nicht wenig zur Ertüchtigung und Charakterbildung bei. {PP 582.2}

 

Jeder Schüler sollte einen Teil des Tages mit körperlicher Tätigkeit zubringen. So würde die Jugend an Fleiß gewöhnt und gewönne Selbstvertrauen. Außerdem bliebe sie vor vielem Schlechten bewahrt, das so oft die Folge von Müßiggang ist. Das alles ist vorrangig in der Erziehung; denn wer Fleiß, Sorgfalt und Lauterkeit fördern hilft, handelt in Übereinstimmung mit dem Schöpfer. {PP 582.3}

 

Helft der Jugend, den Sinn des Lebens zu verstehen, nämlich Gott zu ehren und segensreich für ihre Mitmenschen zu sein. Zeigt ihnen die besorgte Liebe des himmlischen Vaters und die hohe Bestimmung, auf die sie in der Lebensschule vorbereitet werden sollen. Macht ihnen deutlich, daß sie zur Gotteskindschaft berufen sind und daß das eine Auszeichnung ist. Dann würden sich Tausende mit Abscheu von dem herabziehenden, selbstsüchtigen Tun und den nichtigen Vergnügungen abwenden, die sie bisher so fesselten. Sie würden schließlich das Unrecht hassen und meiden, nicht nur wegen der Aussicht auf Belohnung oder aus Furcht vor Strafe, sondern aus dem Empfinden heraus, daß es minderwertig ist, weil es ihre von Gott verliehenen Kräfte schwächt und einen Makel für ihr gottähnliches Menschentum darstellt.  {PP 582.4}

 

Gott verbietet der Jugend nicht etwa, strebsam zu sein. Die Eigenschaften, die einen erfolgreichen, angesehenen Menschen ausmachen — das ununterdrückbare Verlangen nach Höherem, der feste Wille, rührige Strebsamkeit und unermüdliche Ausdauer —, müssen keineswegs unterdrückt werden. Durch Gottes Gnade aber sollen sie auf Ziele gerichtet sein, die so viel höher sind als eigensüchtige, irdische Ziele, wie der Himmel höher ist als die Erde. Und die in diesem Leben begonnene Erziehung wird im künftigen ihre Fortsetzung erfahren. Tag für Tag werden sich dann Gottes wunderbare Werke, die Beweise seiner Weisheit und Macht in der Erschaffung und Erhaltung des Weltalls und das unendliche Geheimnis seiner Liebe und Allwissenheit im Erlösungsplan dem Geist in neuer Schöne auftun. „Was kein Auge gesehen hat und kein Ohr gehört hat und in keines Menschen Herz gekommen ist, was Gott bereitet hat denen, die ihn lieben.“ 1.Korinther 2,9. Doch dürfen wir schon hier in diesem Leben einen schwachen Schimmer seiner Gegenwart sehen und die Freude der Gemeinschaft mit dem Himmel schmecken. Aber die Fülle der Freude und seiner Segnungen werden wir erst in der Zukunft erfassen. Allein die Ewigkeit kann die herrliche Bestimmung offenbaren, die der zum Bilde Gottes wiederhergestellte Mensch erlangen kann. {PP 583.1}